Der Handelsstreit zwischen Japan und Südkorea eskaliert. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf die deutschen Exporte haben. Die Bundesregierung sollte sich als Vermittler anbieten.

Anfang des Monats hat die japanische Regierung beschlossen, Südkorea von der sogenannten „weißen Liste“ zu nehmen. Auf ihr befinden sich Länder, die eine Vorzugsbehandlung im Handel mit Japan erhalten. Die Entscheidung Tokios war eine Reaktion auf ein Urteil des Obersten Gerichtshof Südkoreas. Dieser hatte im vergangenen Jahr die japanischen Unternehmen Nippon Steel und Mitsubishi Heavy Industries angewiesen Schadensersatz an ehemalige Zwangsarbeiter zu leisten. Während der japanischen Kolonialherrschaft in Korea (1910-1945) mussten viele koreanische Arbeiter Zwangsarbeit für die Japaner leisten.

Am Montag reagierte die Regierung in Seoul und strich ihrerseits Japan aus der Liste der bevorzugten Handelspartner. Diese Bestimmung tritt im September in Kraft. Schon zuvor hatten südkoreanische Aktivisten zum Boykott japanischer Produkte aufgerufen. Der Verkauf verschiedener japanischer Produkte, beispielsweise Autos, ist in Südkorea stark eingebrochen. Eine Gegenreaktion Tokios und damit eine weitere Verschärfung des Konfliktes sind nicht auszuschließen.

Koreanische und japanische Unternehmen leiden bereits unter dem chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt. Zudem hatte die japanische Regierung Anfang Juli den Export von Materialien an südkoreanische Chiphersteller mit Auflagen versehen.

Die Bundesrepublik verfügt sowohl zu Japan als auch zu Südkorea über sehr gute Beziehungen. Beide Länder sind wichtige Handelspartner Deutschlands. Daher sollten sich die Bundesregierung und die EU als Vermittler anbieten. Wenn der Handelskonflikt nicht gelöst wird, könnten die negativen Auswirkungen auf die deutsche Exportwirtschaft erheblich sein.